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Sexualpädagogik in Einrichtungen

Viele Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Einschränkungen waren für das Thema Sexualität in den vergangenen Jahrzehnten nicht offen – und viele sind es bis heute noch nicht. Für Eltern, Erzieher, Betreuer und Betreuungspersonal war und ist das Thema Sexualität häufig mit Angst und Scham besetzt.

Das Recht auf Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung, was als Inklusion bezeichnet wird, trat mit der UN-Behindertenrechts-Konvention (UN-BRK) bereits 2009 in Kraft. Die UN-BRK beinhaltet das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung von allen Menschen.

Aufklärung gehört zur Inklusion

Sexualpädagogin Susanne Hasel erklärt den Monatskreislauf der Frau mit haptischen und visuellen Materialien. Foto: Wildwasser
Sexualpädagogin Susanne Hasel erklärt den Monatskreislauf der Frau mit haptischen und visuellen Materialien. Foto: Wildwasser

Die Inklusion ist in Deutschland zu einem großen Thema geworden. Neben einem gemeinschaftlichen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern sowie Jugendlichen ist das selbstbestimmte Wohnen ein weiterer wichtiger Aspekt der Inklusion. Das heißt, erwachsene Menschen mit Behinderungen sollen die Einrichtungen/das Elternhaus verlassen und in einer eigenen Wohnung/WG leben dürfen.

Dieser Schritt in die Selbstständigkeit muss mit einer Sexualaufklärung begleitet werden. Zumal davon auszugehen ist, dass sich im Verlauf der Inklusion mehr Paare bilden werden und vermehrt der Wunsch nach einem Kind aufkommen dürfte.

Sexualität bedeutet Verantwortung

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Einschränkungen haben ein Recht darauf, informiert zu werden. Sie müssen lernen, verantwortungsvoll mit ihrem Körper und ihrer Sexualität umzugehen. Sie müssen Grenzen erkennen, für sich selbst einfordern aber auch anderen gegenüber einhalten. Sie müssen Informationen bekommen, wie Selbstbefriedigung geht, wie und wo man seine Lust stillt, wie Geschlechtsverkehr funktioniert und was es zu beachten gibt. Wichtig ist auch, eine angemessene Sprache für Geschlechtsorgane und Sexuelles den Klienten zu vermitteln.

Menschen mit Lernschwierigkeiten formen aus Knet die Geschlechtsmerkmale. Das hilft ihnen bei der Wahrnehmung ihres Körpers. Foto: Hasel
Menschen mit Lernschwierigkeiten formen aus Knet die Geschlechtsmerkmale. Das hilft ihnen bei der Wahrnehmung ihres Körpers. Foto: Hasel

In deutschen Einrichtungen findet Sexualpädagogik lediglich in Ansätzen oder auch gar nicht statt. Dadurch entstehen beispielsweise Graubereiche von gewollter und ungewollter Sexualität.

Auch der Körper von Menschen mit Einschränkungen produziert entsprechende Hormone und somit auch Lust auf sexuelle Aktivität. Oft weisen Erwachsene mit kognitiver Beeinträchtigung die sexuelle Lust eines Erwachsenen und die Kontroll- und Steuerungsfähigkeit eines Kindes/Jugendlichen auf. Angemessenes sexuelles Verhalten muss gelernt werden und benötigt freundliche Begleitung.

Sexualaufklärung ist in jedem Alter möglich. In meinem Blickwinkel stehen bei mir immer die sehr individuellen, kognitiven und sozialen Entwicklungsstände meiner Klienten. Hinzu kommen körperliche und psychische Beeinträchtigungen, die sich auf das emotionale Befinden auswirken.

Mein Angebot

Menschen mit Lernschwierigkeiten üben ihre Feinmotorik beim Kneten. Foto: Hasel
Menschen mit Lernschwierigkeiten üben ihre Feinmotorik beim Kneten. Foto: Hasel

In meinen Aufklärungskursen arbeite ich mit visuellen und haptischen Methoden, Spielen, Körperbild, Basteln, Gesprächsrunden und mit der Leichten Sprache. Mir ist es wichtig, dass meine Klienten die Inhalte Ganzheitlich aufnehmen können.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Einschränkungen lernen durch das Körperbild und die sexuelle Aufklärung besser ihren Körper kennen und werden dadurch selbstbewusster.

Sie wissen über ihre eigene Lustbefriedigung und Sexualität Bescheid und wissen, was ihnen gut tut. Und sie können besser zwischen gewollter und ungewollter Sexualität unterscheiden, Grenzen erkennen und setzen, sich wehren und/oder Hilfe holen.